Gekaufte Amazonbewertungen, getarnt als Produkttest

In den guten alten Zeiten gab es zwei gängige Lösungen sich für ein neues Produkt zu entscheiden. Entweder ist man in einen Fachmarkt gegangen, hat sich beraten lassen und hat dann ein Produkt gekauft oder der Markeneffekt hat gewirkt und es wurde einfach Waschmaschine von Miele gekauft. Mittlerweile kann man sich auch an diversen Rezensionen orientieren und die Gängigsten sind mit Sicherheit die 5 Sterne von Amazon. Zugegeben, es ist praktisch, man ist sowieso auf der Plattform und es ist ein beruhigendes Gefühl 4,5 Sterne zu sehen, vor allem wenn das Produkt 1000+ Menschen bewertet haben.  

Amazon Rezensionen sind aber über die Zeit immer weniger vertrauenswürdig geworden. Zum einen muss man das Produkt gar nicht gekauft haben, um es bewerten zu können. Amazon hat unter anderem deshalb “verifizierte Käufe” eingeführt, damit ich als potentieller Käufer einer Produktrezension ansehe ob sie von jemanden geschrieben wurde der (auf Amazon) das Produkt gekauft hat. 

Auch problematisch ist, dass es die Möglichkeit gibt Rezensionen “mitzunehmen”. Man kann als Verkäufer auf Amazon die Beschreibung oder die Bilder des Produktes ändern, was auch erstmal Sinn macht denn manchmal werden neue Produktfotos geschossen oder man hat nachträglich noch ein Video produziert oder es wurden Rechtschreibfehler in der Beschreibung gefunden. Allerdings wird es so ermöglicht ein Produkt mit guten Rezensionen durch ein anderes Produkt zu ersetzen. Überschrift, Bilder und Beschreibung getauscht und schwupps ist aus einem fünf Sterne Rasierer ein fünf Sterne Smartphone geworden. Das fällt dann aber meistens in den Rezensionen auf, zumindest wenn man sie liest. Wenn die Verkäufer es geschickt anstellen wird aus dem fünf Sterne Herrenrasierer eben ein fünf Sterne Frauenrasierer und es wird schon schwerer zu entdecken. 

Ein weiteres Problem mit Amazonrezensionen ist mir beim gelegentlichen Amazonbummeln aufgefallen. Im Niedrigpreissegment gibt es des Öfteren Produkte, die erstaunlich gute und erstaunlich ausführliche Produktbeschreibungen haben. In der Regel sind die Bewertungen meiner bescheidenen Meinung nach gekauft, was einige schlaue Rezensenten dann auch in die Bewertung schreiben. 🤦‍♂️ Vor ein paar Tagen habe ich aber durch Zufall rausgefunden wie das abläuft. Ich bin auf Instagram über eine Werbung gestoßen, die “Tester für ein Produkt” sucht. Man müsse nur eine Nachricht über Facebook Messenger schicken und könnte mitmachen. Aus Neugier habe ich mal eine Nachricht geschickt.  

Im Prinzip kauf man ein Produkt und bekommt das Geld angeblich über Paypal wieder, wenn man das Produkt positiv bewertet hat.

Das in Frage kommende Produkt und ich nennen mal aus reinem Selbstschutz keine Namen, habe ich mir angeguckt und tatsächlich hat es auf Amazon fast ausschließlich gute Rezensionen und alle guten Rezensionen hatten mehrere Bilder angehängt. Die schlechten Rezensionen hatten gar keinen oder nur einen kurzen Text und sahen wesentlich weniger überzeugend aus. Wenn man die gekauften Rezensionen (alle mit Bildern) rausrechnet hatte das Produkt auf einmal im Schnitt zwei Sterne weniger.  

Dank des Facebookwerbealogyrthmus bekam ich anschließend duzende Werbungen mit dem gleichen Versprechen angezeigt. Ich habe mehrere Verkäufer angeschrieben und immer bei der Frage nach der Erstattung bei einer kritischen Bewertung war entweder Schluss mit dem Gespräch oder sie haben ganz ehrlich gesagt, dass sie nur positive Bewertungen “brauchen”.

Facebook und Instagram ist voll mit diesen Anzeigen.

Ich habe mal kein Geld für diesen Bericht hier ausgegeben, um zu gucken ob man sein Geld wirklich wiederbekommt. Ich fürchte für die Verkäufer lohnen sich diese “Marketingkosten” tatsächlich und man bekommt das Geld wahrscheinlich sogar zurück. Als Kunde werde ich aber in Zukunft noch genauer die Produktrezensionen lesen und mich vielleicht nicht nur auf Amazonrezensionen verlassen. 

unsplash-logoDaniel Eledut